Archiv für den Monat: August 2018

Rostams Reise nach Deutschland

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Viel wird derzeit über Flüchtlinge gesprochen und geschrieben. Die Betroffenen selbst kommen nur selten zu Wort. Zu diesem hat sich jetzt der 18jährige Rostam Nazari mit seinem Buch „Rostams Reise. Von Afghanistan nach Deutschland“ gemeldet.
Rostam Nazari lebte bis zu seinem 7. Lebensjahr in Afghanistan. Aufgrund eines tödlich verlaufenen Landkonflikts mit Nachbarn, in dem auch die Taliban eine Rolle spielten, musste seine Familie wie so viele Afghanen in den Iran fliehen, wo das Leben für afghanische Flüchtlinge allerdings nicht leicht ist. 2015 fassten Rostams Eltern daher den Beschluss, nach Deutschland weiterzufliehen. Doch nur Rostam Nazari selbst, einem seiner Brüder und einem Cousin gelang die Flucht, der größte Teil seiner Familie lebt nach einer gefährlichen Odyssee wieder im Iran.

Als Rostam Nazari im Alter von 15 Jahren nach Marburg in Deutschland kam, war er Analphabet. Heute, im Alter von 18 Jahren, spricht, schreibt und liest er nicht nur Deutsch, sondern ist auch Buchautor in dieser Sprache. Das muss mensch auch erstmal hinbekommen.

Nazaris Buch ist in mehrfacher Hinsicht sehr lesenswert. Nicht allein weil, wie schon gesagt, das Thema Flucht und Migration aus den Augen eines Betroffenen geschildert wird. Darüberhinaus erfährt mensch auch viel von dem Alltagsleben der Menschen in Afghanistan und im Iran, von den Schrecken der Flucht und wie es sich anfühlt, in einem fremden Land, dessen Sprache mensch nicht versteht, um Asyl bitten zu müssen. Aus diesem Interview wird außerdem sehr plastisch klar, warum Seehofers AnkER-Zentren zutiefst inhuman sind genau wie die jetzige Politik der „Familienzusammenführung“. Und wie restriktiv in Wirklichkeit das Recht auf Asyl von den deutschen Behörden behandelt wird.

Beeindruckend ist auch die Mahnung des 18jährigen Rostam Nazaris, dass wir alle, was immer auch unsere jeweiligen Attribute sein mögen, Menschen sind, für die die gleichen Menschenrechte gelten sollten. Aber hören Sie/hört selbst.

Anmerkung: Rostam Nazaris Buch „Rostams Reise. Von Afghanistan nach Deutschland“ erschien dieses Jahr im DeBehr-Verlag, ist 274 Seiten stark und kostet 12,95 Euro.

„Marx als Produkt“ – ein Vortrag von Georg Fülberth

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Anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx hielt der emeritierte Professor der Politikwissenschaft Georg Fülberth in Marburg wie in einer Reihe anderer Städte einen Vortrag, der sich im ersten Teil mit der wissenschaftlichen Arbeit von Marx im Kontext seiner Zeit, in der er lebte, befasst, und im zweiten Teil der Frage nachgeht, wie sich der Marxismus in den Formationen des Kapitalismus nach Marx‘ Tod weiterentwickelte. Ein weiterer Blick wird außerdem geworfen auf die Enwicklung des „Marxismus“ im Staatssozialismus.

Georg Fülberth gehört sicherlich zu den hervorragendsten Kennern der wissenschaftlichen Werke von Karl Marx und seines Freundes Friedrich Engels. Über Letzteren schrieb Fülberth ein Buch, das dieses Jahr im PapyRossa Verlag erschienen ist und über das noch zu sprechen sein wird.
Weitere empfehlenswerte Bücher unseres Autors u. a.: „Marxismus“, „G Strich – Kleine Geschichte des Kapitalismus“ und seine kürzere Variante „Kapitalismus“.
Fülberth arbeitet außerdem an der Erstellung der Marx-Engels-Gesamt-Ausgabe (MEGA) mit.
Georg Fülberth sprach seinen Vortrag bei uns nocheinmal ein, dafür sehr herzlichen Dank.

Hier zur schriftlichen Fassung:

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